/ Biografie

Ich wurde 1971 in Ulm an der Donau geboren, aber ich komme nicht von dort; es hatte meine Eltern nur kurzzeitig dahin verschlagen. Aufgewachsen bin ich in Stuttgart. Nach dem Abitur 1991 bin ich nach Berlin gezogen und habe dort begonnen, mich mit Freunden und Freundinnen selbst auszubilden. Kunst und Leben neben den Institutionen – bis auf das ‚Trend-Studio‘, ein Marktforschungsinstitut, in dem ich Geld verdient habe. Irgendwann sind dann aber doch alle an irgendwelche Kunsthochschulen oder Universitäten gegangen, also bin ich nach Leipzig ans Literaturinstitut und habe dort von 1997-2001 studiert. Leipzig fand ich noch viel besser als Berlin – vermutlich deshalb, weil sich die Stadt mit dem, was ich tat, ganz direkt verband: durch das DLL, die Buchmesse, das Ilses Erika, die billigen Wohnungen. Es war toll, mittendrin zu sein; ich habe Bafög bezogen und musste nicht mehr jobben.

2002 bin ich aber zurück nach Berlin; ich war schwanger und fand, dass das Kind in der Haupt­stadt aufwachsen muss. Nein, falsch: dass Provinz plus Elternschaft dann doch eins zuviel ist.
Wenn schon unbeweglich, dann wenigstens da, wo alle sind – inzwischen war ich Schriftstellerin mit Diplom und Steuernummer, hatte die ersten Bücher veröffentlicht und Vorschüsse erhalten. Habe dann noch einen Preis gewonnen und ein Stipendium vom Senat gekriegt; Aufenthaltsstipendien gingen nicht mehr mit Familie. Die wurde größer, noch ein Kind, dann noch eins. Ich habe geheiratet und mit einer Genossenschaft ein Haus in Prenzlauer Berg gebaut. Das Geld für die Einlage hat meine Mutter ursprünglich für ihre dritten Zähne gespart, die sie dann nicht mehr brauchte.

Seit 2001 lebe ich vom Schreiben, Prosa und Drehbuch, und die Kinder kriegen Geld aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. 2013 habe ich zum ersten Mal unterrichtet, am Literaturinstitut in Leipzig und an der Filmakademie in Ludwigsburg.

Es gab in diesen fünfzehn Jahren, in denen ich Schriftstellerin bin, sehr unterschiedliche Phasen.
Im Rückblick war die Zeit, als kein Verlag ‚Bodentiefe Fenster‘ geschweige denn ‚Fürsorge‘ drucken wollte, eine Durststrecke. Eine Talsohle? Eine Lektion! Rückblickend kann ich sagen, gut so, ich weiß jetzt, dass ich wirklich schreiben will und es auch unabhängig von Markt und Mechanismus tun kann; aber ich hüte mich, so was wie Dankbarkeit zu empfinden. Dafür war es währenddessen zu übel. Und Erfolg und Aufmerksamkeit haben natürlich ebenfalls ihre Schattenseiten! Zwar reden plötzlich Fremde mit einem, dafür Bekannte nicht mehr, und das Einkommen übersteigt die Bemessungsgrenze fürs BuT, sodass nach Zahlung des Lehrmittelfonds, der Klassenfahrten und Klavierstunden weniger übrigbleibt als vorher. Aber ich hüte mich, mich darüber zu beschweren. Dafür ist es allemal zu gut.

 

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